Thema »Trauma, Macht und (De)Radikalisierung - Dynamik zwischen Täter:innen, Betroffenen und Helfenden«
Über die Veranstaltung
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Trauma als relationales und politisches Geschehen ist eng mit autoritären Machtstrukturen und Radikalisierungsprozessen verknüpft. Zunehmende gesellschaftliche Verunsicherung, epistemisches Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen und politische Polarisierung führen zum Erstarken extremer Ideologien und stellen damit die Psychotraumatologie vor neue Herausforderungen. Radikalisierungsprozesse fungieren oft als dysfunktionale Bewältigungsstrategien für tiefgreifende Ohnmachtserfahrungen und Identitätskrisen im Rahmen traumatisch erlebter sozialer Exklusion.
Misstrauen gegenüber Anderen wird zunehmend zu einem zentralen Identifikationsmerkmal gruppenbezogener Zugehörigkeit und begünstigt aggressive Projektionsprozesse. Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Spaltungstendenzen steht die Psychotraumatologie sowohl individuell als auch gesellschaftlich vor besonderen Herausforderungen: Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Täter:innen, Betroffenen und professionellen Helfer:innen. Welche dynamischen Prozesse entfalten sich in diesem Dreieck von Gewalt, Betroffenheit und Hilfe? Wie lassen sich diese Dynamiken im professionellen Handeln reflektieren und berücksichtigen? Und welche spezifischen Ansätze haben sich in der Arbeit mit radikalisierten Menschen bewährt?
Mit dieser Jahrestagung in Innsbruck widmen wir uns der Schnittstelle von klinischer Arbeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir beleuchten die Mechanismen der Radikalisierung, Macht- und Gewaltstrukturen aus psychotraumatologischer Sicht und diskutieren Wege der Prävention, der Täter:innenarbeit und des Ausstiegs.
Wir laden Sie herzlich ein, vor der Kulisse der Alpen gemeinsam mit uns zu diskutieren, wie wir professionelle Haltung bewahren und wirksame therapeutische Antworten auf die Spaltungen unserer Zeit finden können.