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Trauma als relationales und politisches Geschehen ist eng mit autoritären Machtstrukturen und Radikalisierungsprozessen verknüpft. Zunehmende gesellschaftliche Verunsicherung, epistemisches Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen und politische Polarisierung führen zum Erstarken extremer Ideologien und stellen damit die Psychotraumatologie vor neue Herausforderungen. Radikalisierungsprozesse fungieren oft als dysfunktionale Bewältigungsstrategien für tiefgreifende Ohnmachtserfahrungen und Identitätskrisen im Rahmen traumatisch erlebter sozialer Exklusion.
Misstrauen gegenüber Anderen wird zunehmend zu einem zentralen Identifikationsmerkmal gruppenbezogener Zugehörigkeit und begünstigt aggressive Projektionsprozesse. Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Spaltungstendenzen steht die Psychotraumatologie sowohl individuell als auch gesellschaftlich vor besonderen Herausforderungen: Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Täter:innen, Betroffenen und professionellen Helfer:innen. Welche dynamischen Prozesse entfalten sich in diesem Dreieck von Gewalt, Betroffenheit und Hilfe? Wie lassen sich diese Dynamiken im professionellen Handeln reflektieren und berücksichtigen? Und welche spezifischen Ansätze haben sich in der Arbeit mit radikalisierten Menschen bewährt?
Mit dieser Jahrestagung in Innsbruck widmen wir uns der Schnittstelle von klinischer Arbeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir beleuchten die Mechanismen der Radikalisierung, Macht- und Gewaltstrukturen aus psychotraumatologischer Sicht und diskutieren Wege der Prävention, der Täter:innenarbeit und des Ausstiegs.
Wir laden Sie herzlich ein, vor der Kulisse der Alpen gemeinsam mit uns zu diskutieren, wie wir professionelle Haltung bewahren und wirksame therapeutische Antworten auf die Spaltungen unserer Zeit finden können.
Univ.-Prof. Dr. Astrid Lampe
Abteilung für Psychische Gesundheit
Vitrea Rehaklinik Montafon
Priv.-Doz. Dr. David Riedl
Univ.-Klinik für Psychiatrie II
Medizinische Universität Innsbruck
(alphabetisch angeordnet)
Junge Männer wählen rechts, Gewalt gegen Frauen steigt an, auf TikTok werden misogyne Coaches gefeiert. Bei der Gen Z spricht man nicht mehr von einer, sondern von zwei Generationen, wenn es um Weltanschauungen geht. Immer mehr Studien deuten in dieselbe Richtung: Während junge Frauen progressiv eingestellt sind und links wählen, vertreten ihre männlichen Peers häufiger reaktionäre Weltanschauungen und zeigen eine wachsende Faszination für autoritäre Systeme. In der sogenannten Mannosphäre radikalisieren sich schon Kinder in Alphamännlichkeitsideologien und werden zu einer Bedrohung für unsere Gesellschaft. Der politische Impact ist nicht mehr zu übersehen: Frauen werden aus der Politik verdrängt, sozial untergeordnet, ihre Rechte zurückgenommen. Mit Misogynie lässt sich mobilisieren, haben Politiker überall in westlichen Ländern verstanden. Immer deutlicher wird, dass der Angriff auf die Gleichberechtigung auch ein Angriff auf die Demokratie ist. Jungs und Männer sind dabei genauso Verlierer einer Entwicklung, in der Neoliberalismus und Patriarchat alle gegeneinander ausspielen – und die sich durch die Reichweiten sozialer Medien ungebremst Bahn bricht. Autoritäre Gruppierungen vernetzen sich, entwickeln ihre Ideologien gemeinsam und organisieren im Netz, in der Politik oder auf der Straße den rechten Backlash. Wie konnte Alphamännlichkeit die Antwort auf "Männlichkeit in der Krise" werden? Warum verspüren vor allem Männer eine Sehnsucht nach autoritärer Herrschaft? Warum fühlen sich junge Menschen von traditionellen Rollenbildern angesprochen? Und wie könnte Widerstand gegen die Erosion unserer Demokratie aussehen?
Ort: Ágnes-Heller-Haus, Hörsaal Audimax


Keynote Speaker
Radikalisierung im Jugendalter: Entwicklungspsychologische Dynamiken, digitale und gesellschaftliche Einflussräume sowie klinische Handlungsperspektiven
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Keynote Speaker
Soziale Exklusion als soziale Traumatisierung – Zusammenhänge von Ausgrenzungserfahrungen und Radikalisierungsprozessen
Radikalisierung wird häufig vor allem als politischer oder ideologischer Prozess verstanden. Der Vortrag vertritt die These, dass bei einem Teil der Betroffenen auch Erfahrungen sozialer Traumatisierung eine zentrale Rolle spielen. Wiederholte soziale Ausgrenzung, Demütigung, Diskriminierung oder emotionale Misshandlung können grundlegende psychologische Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Anerkennung und sozialem Status verletzen. Solche Erfahrungen prägen negative soziale Selbstrepräsentationen und erhöhen das Risiko für Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsreaktionen. Auf Grundlage neuer theoretischer Arbeiten zur sozialen Traumatisierung wird ein Modell vorgestellt, das die Verbindung zwischen sozialen Verletzungen, psychischer Belastung und Radikalisierungsprozessen beschreibt. Radikale Gruppen können für manche Betroffene soziale Anerkennung, Identität und Gemeinschaft versprechen und dadurch eine psychologische Funktion erfüllen. Empirische Befunde aus Studien mit ehemaligen Angehörigen des sogenannten Islamischen Staates zeigen, dass kumulative Traumatisierung mit einer stärkeren Identifikation mit der extremistischen Gruppe sowie ungünstigeren Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reintegration zusammenhängt. Die Ergebnisse legen nahe, psychische Folgen sozialer Traumatisierung stärker in Modelle der Radikalisierung sowie in Präventions- und Deradikalisierungsprogramme einzubeziehen.
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Keynote Speaker
Radikalisierung als Bewältigungsmechanismus im Kontext von Traumatisierung
Seit 2012 werden in Deutschland zivilgesellschaftliche Fachberatungsstellen in der Deradikalisierungs- und Ausstiegsarbeit im Phänomenbereich Islamismus, insbesondere Salafismus und Jihadismus, finanziert. Neben potentiellen Aussteiger:innen werden vor allem Angehörige beraten, die Veränderungen bei nahestehenden Personen wahrnehmen und sich Sorgen über mögliche Radikalisierungsprozesse machen. Im Mittelpunkt steht zunächst die Einschätzung, ob diese Sorgen tatsächlich begründet sind. Werden traumatische Erlebnisse wie der Verlust einer Bezugsperson oder – insbesondere bei Kriegsflüchtlingen – Erfahrungen von Vertreibung, Flucht und Krieg bekannt, werden diese Hinweise besonders ernst genommen. Ein Automatismus von Traumatisierung und Radikalisierung besteht jedoch nicht. Menschen mit unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen können jedoch anfälliger für extremistische Angebote sein. Wenn eine Hinwendung zum politischen Salafismus oder Jihadismus als Möglichkeit wahrgenommen wird, Ängste zu bewältigen, Kontrolle zurückzugewinnen oder belastende Erfahrungen zu umgehen, ohne sich mit diesen auseinanderzusetzen, kann sich das Risiko einer Radikalisierung erhöhen. In der Beratungspraxis zeigen sich zahlreiche Fälle, in denen traumatische Erfahrungen – insbesondere sexuelle Gewalt sowie Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen – eine relevante Rolle spielen. Seit dem Syrienkrieg und der Ausreisewelle zu jihadistischen Organisationen treten bei Rückkehrer:innen zudem vermehrt posttraumatische Belastungsstörungen auf. Deradikalisierungsarbeit kann durch Fallberater:innen allein jedoch nicht geleistet werden, da diese in der Regel nicht über eine psychologische oder psychotherapeutische Ausbildung verfügen. Umgekehrt fehlt psychotherapeutischen Fachkräften häufig die spezifische Expertise im Bereich islamistischer Radikalisierung. Betroffene mit traumatischen Erfahrungen benötigen daher eine kombinierte Unterstützung durch psychotherapeutische Behandlung und fachkundige Beratungsangebote.
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Keynote Speaker
Radikalisierung als Bewältigungsmechanismus im Kontext von Traumatisierung
Extremistische Weltbilder gehen mit spezifischen Mechanismen einher, darunter Spaltung (z.B. Freund-Feind-Denken), Projektionen, Allmachtsfantasien und Idealisierung, die Legitimation aggressiven Ausagierens, Streben nach Triumph und identitären Gruppendynamiken. Das Wissen um diese und weitere Mechanismen gehört zur Grundausstattung der Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit. Gleichzeitig ist in der Fachpraxis aber mehr als unklar, wie sich eigentlich innerseelische Entwicklungs- und Veränderungsprozesse vollziehen, und wie diese durch Beratung und Behandlung gefördert werden können. Daher wird oft kompromisshaft von „Distanzierungsarbeit“ gesprochen, denn nur Verhaltensänderungen seien „beobachtbar“, während innerpsychische Veränderungen „nicht beobachtbar“ seien. Diese Problematik aufgreifend soll im Vortrag der Frage nachgegangen werden, was eigentlich „innerseelische Veränderung“ in der Deradikalisierungs- und Ausstiegsarbeit ist und wie man sie nicht nur beobachten, sondern auch ermöglichen und fördern kann. Dabei wird auf klinische Erfahrungen aus dem psychotherapeutisch-psychiatrischen Beratungs- und Behandlungsnetzwerk nexus zurückgegriffen. Anhand anonymisierter klinischer Vignetten wird dargestellt, wie ein psychotherapeutisches Arbeitsbündnis etabliert wurde, welches innerpsychische Veränderungen ermöglicht. Es wird aber auch auf Herausforderungen eingegangen. Der sinnvolle Beitrag der psychotherapeutischen Berufsgruppen unterscheidet sich hierbei fundamental von politischer Bildung und sozialarbeiterischer Hilfe, wobei alle drei Komponenten in der Deradikalisierungsarbeit ihre Berechtigung haben.
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Keynote Speaker
Trauma, Power and (De)Radicalisation: Dynamics of Social and Epistemic Disconnection
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Keynote Speaker
Psychodynamische Perspektiven und Behandlungskonzepte bei komplexen Traumafolgestörungen
Psychodynamische Ansätze bei komplexen Traumafolgestörungen richten den Blick auf die Zusammenhänge zwischen Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen, traumabedingten Schädigungen der Selbst- und Beziehungsregulation und Störungen der Mentalisierungsfunktion. Zahlreiche dysfunktionale Beziehungsmuster lassen sich aus der Notwendigkeit erklären, frühe Bindungsbeziehungen zu schützen; häufig erfassen sie auch die therapeutische Beziehung. Unerkannte Täter- und Retter-Übertragungen auf dem Boden traumatischer Bindungsmuster können die therapeutische Arbeit stark behindern. Vor diesem Hintergrund werden zwei evidenzbasierte psychodynamische Therapiekonzepte zur Behandlung der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-11 vorgestellt: Bei dem ersten Konzept liegt der Akzent auf der Stärkung der Mentalisierungsfunktion, bei dem zweiten auf einer ressourcenorientierten Stärkung der Selbst- und Beziehungsregulation, auf der symbolischen Versorgung verletzter kindlicher Persönlichkeitsanteile und auf der Nutzung ressourcenaktivierender Elemente bei der schonenden Konfrontation mit traumatischen Erinnerungsfragmenten.
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Podiumsdiskussion
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Wenn Kinder oder Erwachsene traumatisiert wurden, hat dies nicht nur auf das Leben des Einzelnen massive Auswirkungen, sondern das Familiensystem als Ganzes steht oft vor grossen Herausforderungen und Belastungen. Auch nicht traumatisierte Familienmitglieder leiden oft unter den Symptomen und Folgen. Teilweise begegnen wir Familien, in denen Kinder und Eltern traumatisiert sind. Im Praxisalltag erleben wir leider zu oft, dass in den Einzeltherapien die systemische Ebene zu wenig gesehen wird. Durch die Trennung von Kinder-/Jugendtherapie und Erwachsenentherapie ergeben sich Hindernisse in der Zusammenarbeit. Uns stehen heute gut fundierte und wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die jedoch zu selten eine Verknüpfung vom Einzelnen zur Familie herstellen. Wir wollen im Workshop diese Lücke schliessen und den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, den Blick auf das ganze Familiensystem und dessen Behandlungsmöglichkeiten zu richten. Dabei werden wirksame Therapieoptionen, Interventionsmöglichkeiten und wichtige Zusammenhänge, die im Therapiealltag gut umsetzbar sind, vorgestellt.
Häufig ist festzustellen, dass klinische Gutachter:innen in der Kausalitätsbeurteilung psychisch reaktiver Traumafolgen oft zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. Neben symptombedingter Behinderung der Exploration und besonderen Beziehungsaspekten, die die Objektivität der gutachterlichen Beurteilung beeinträchtigen können, sind es eine Vielzahl möglicher komorbider Störungen, die psychisch reaktive Traumafolgen überlagern und so zu Fehlbeurteilungen bei der Begutachtung führen können. Eine schädigungsunabhängige psychische Vorerkrankung macht die Beurteilung vollends schwierig. Aus diesem Grund hat die DeGPT ein zertifiziertes Fortbildungscurriculum verabschiedet, welches psychologische und ärztliche Fachkolleg:innen in die Lage versetzen soll, klinische Gutachten zu psychisch reaktiven Traumafolgen und ihrer Genese in sozialrechtlichen Verfahren fachkompetent zu erstellen. Die von der DeGPT entwickelten Standards für die schriftliche Gutachtenerstellung sollen dabei eine ausreichend begründete und für Dritte nachvollziehbare Beurteilung garantieren, die in der Praxis nicht immer gegeben ist. In diesem Workshop sollen die speziellen Probleme anhand von Fallbeispielen (gerne auch mitgebrachte Fälle von Teilnehmer:innen) illustriert, die Standards der DeGPT zur Gutachtenerstellung der DeGPT erläutert und auf Besonderheiten bei der gutachterlichen Exploration und Beurteilung hingewiesen werden.
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Traditionelle Männlichkeitsanforderungen erschweren Männern und Jungen häufig den Umgang mit Verletzlichkeit, Angst, Kontrollverlust und Ohnmacht. Diese Erfahrungen können abgewehrt, externalisiert oder in Gewalt übersetzt werden.
Der Workshop beleuchtet Zusammenhänge zwischen traditionellen Männlichkeitskonstruktionen, erlebter Ohnmacht, traumatischen Erfahrungen und gewalttätigem Verhalten. Im Mittelpunkt stehen hilfreiche therapeutische und beraterische Haltungen, Zugänge und Interventionen, die Verantwortungsübernahme fördern, ohne biografische Belastungen und Kränkungen auszublenden.
Ergänzend werden unterschiedliche Formen und Dynamiken von Gewalt, rechtliche Aspekte sowie zentrale Rahmenbedingungen für die professionelle Arbeit mit gewaltausübenden Männern und Jungen thematisiert. Fachliche Impulse, Praxisbeispiele, Reflexion und Übungen werden miteinander verbunden.
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In diesem Workshop werden zunächst die theoretischen Grundlagen des mentalisierungsbasierten Ansatzes zur Behandlung von komplexen Traumafolgestörungen gemeinsam erarbeitet und erörtert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verständnis von epistemischen Störungen im Sinne von psychischen Anpassungsleistungen an früher und schwere Beziehung- oder Bindungstraumata sowie des damit einhergehenden ausbleibenden Mentalisierens traumatischer Erlebnisse. Neben der Darstellung jüngster empirischer Befunde werden im Hauptteil des Workshops die Konzeption und Struktur sowie Interventionstechniken von MBT-TF vorgestellt und diskutiert. Abschließend soll mit den Teilnehmenden überlegt werden, wie mentalisierungsbasierte Traumaarbeit in ihrem jeweiligen klinischen Kontext integriert werden kann.
Der Workshop wird als zweiteilige Veranstaltung angeboten und kann nur als Gesamtpaket gebucht werden.
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Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) entwickelt sich kontinuierlich weiter. Mit der Trauma-Focused DBT (TF-DBT) wird die klassische DBT um ein übergeordnetes Konzept erweitert, das dazu einlädt, die Borderline-Persönlichkeitsstörung aus Perspektive einer Traumafolgestörung zu betrachten. Im Mittelpunkt stehen dabei traumabezogene und invalidierende Entwicklungserfahrungen sowie deren Bedeutung für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik.
Aus diesem Konzept leiten sich zwei Behandlungsarme ab: Für Patient:innen mit komorbider Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) kommt weiterhin die etablierte DBT-PTBS zum Einsatz. Für Patient:innen, bei denen keine PTBS im Vordergrund steht, deren Symptomatik jedoch wesentlich durch traumatisch erlebte Invalidierung (z. B. sozialer Ausschluss und/oder Demütigungserfahrungen) geprägt ist, wurde ein zweiter traumafokussierter Behandlungsarm entwickelt. In Anlehnung an die DBT-PTBS kommen auch hier emotionsfokussierte Interventionen sowie die prolongierte Exposition zum Einsatz.
Der Workshop gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen der TF-DBT und stellt die beiden Behandlungsarme sowie deren Indikationsstellung und praktische Umsetzung vor. Anhand klinischer Fallbeispiele wird vermittelt, wie traumafokussierte Interventionen sinnvoll in die Behandlung von Patient:innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung integriert werden können und welche Implikationen sich daraus für die therapeutische Haltung und die klinische Praxis ergeben.
Die S3-Leitlinien zur Behandlung der PTBS empfehlen Sport- und Bewegungstherapie mit einer B-Bewertung. Das zeigt, wie wichtig Körperarbeit für die Traumatherapie ist. Dieser Workshop vermittelt, wie Psychotherapeut:innen und Berater:innen ihren Patient:innen helfen können, Zugang zu ihren sensitiven Empfindungen zu erlangen. Wir befassen uns theoretisch und praktisch damit, was Körperarbeit für den traumatherapeutischen Verlauf bedeuten kann. Stressregulation und Umgang mit körperlichem Widererleben stehen im Zentrum. Die Beziehungsgestaltung zum Körper, Abbau von Vermeidung des Körpererlebens sowie Emotionsregulation mittels Körperarbeit werden uns zudem beschäftigen. Die vermittelten Interventionen fußen auf den Grundprinzipien von Somatic Experiencing nach Peter Levine sowie weiteren Urhebern der heutigen Körperpsychotherapie wie Pat Ogden, Kekuni Minton und David Boadella. Alle Richtungen stehen dafür ein, Unangenehmes nicht wegmachen zu wollen, sondern es durch aktives Wahrnehmen und Durcharbeiten verstehen zu lernen. Gelingt es, Neugier auf das Körpererleben zu wecken, ist ein wichtiger Zugang zum abgelehnten, oft feindlich behandelten Körper geschaffen, der Spuren von überwältigenden Ereignissen trägt und seine eigene Geschichte von Bedrohungen und Gewalterfahrungen erzählt.
Das Therapiekonzept zur Behandlung der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung umfasst die Bereitstellung eines ressourcenorientierten Beziehungsangebotes, das basale Grundbedürfnisse der Patienten nach Sicherheit, Orientierung, Bindung und Selbstwertschutz und auch die Auswirkungen von Phänomenen der Übertragung und Gegenübertragung berücksichtigt, und die Anwendung spezifischer ressourcenorientierter Behandlungstechniken. Zentrale Bestandteile des Konzeptes sind (1) die Nutzung ressourcenaktivierender Interventionen zur Verbesserung der Selbst- und Beziehungsregulation, (2) eine symbolisch-nachbeelternde Versorgung verletzter kindlicher Persönlichkeitsanteile und (3) schonende Techniken zur Konfrontation mit traumatischen Erinnerungsfragmenten unter Einbeziehung ressourcenaktivierender Elemente. Eine konsequent ressourcenorientierte psychodynamische Interventionstechnik kann in Verbindung mit beziehungsorientierten Interventionen dazu beitragen, kontraproduktiven Übertragungsmustern entgegenzuwirken und Brüche in der therapeutischen Beziehung zu reparieren.
Ingo Schäfer, Heide Glaesmer
In frühen Phasen ihrer wissenschaftlichen Karriere ist es für angehende Forscher:innen besonders wichtig, Routine im Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln zu entwickeln. Auch das Knüpfen von Kontakten und der Austausch mit Kolleg:innen spielt eine wichtige Rolle. In diesem von der Zeitschrift „Trauma und Gewalt“ ausgerichteten Workshop haben Nachwuchswissenschaftler:innen die Gelegenheit an einem konkreten Manuskript mitzuwirken, das später in „Trauma und Gewalt“ publiziert werden soll sowie Kontakte zu knüpfen und zu erweitern und eine Basis für weitere Kooperationen zu legen. Im Workshop soll unter Betreuung der beiden Leiter:innen ein Manuskript vorbereitet und geschrieben werden. Der Schreibprozess wird über den Workshop hinaus begleitet. Zielgruppe sind Kolleg:innen, die sich in frühen Phasen ihrer Karriere befinden (z.B. Masterand:innen und Doktorand:innen). Von den Teilnehmenden wird Folgendes erwartet:
1.) Teilnahme am Vorbereitungstreffen (online)
2.) Vollständige Anwesenheit am Workshop
3.) Teilnahme an zwei Videokonferenzen in den folgenden Monaten
4.) Erledigung von spezifischen Aufgaben nach jeder der drei Konferenzen
5.) Beteiligung an der Finalisierung des entstehenden Manuskripts

Informationen zum Rahmenprogramm 2027 folgen.